Sonntag 05.09.2010
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Filme, Fotos und Sprechgesang
Ostfildern. Fünf Schulklassen aus der Region haben sich in den vergangenen sechs Monaten am Projekt »Vom Zusammenleben und Ausgrenzen« beteiligt. Letzte Woche wurden die Ergebnisse im Stadthaus im Scharnhauser Park präsentiert.
Von Philipp Braitinger
Diskriminierung hat viele Gesichter. Einmal wird ein deutsches Kind von seinen ausländischen Mitschülern geärgert, gemieden oder beleidigt, ein anderes Mal ein Rollstuhlfahrer nicht in einen öffentlichen Bus gelassen, weil dieser nicht behindertengerecht ist. Schnell werden Fremde auf Grund ihres Aussehens oder ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe in eine Schublade gesteckt, aus der sie nur schwer wieder herauskommen. »Es ist nicht reduziert auf Ausländer oder nicht Ausländer«, stellt Miruna Mestes vom Oberesslinger Jugendhaus klar.
So hat die siebte Klasse der Oberesslinger Herderschule mit Obdachlosen, älteren Menschen im Pflegeheim Obertor und behinderten SchülerInnen der Rohräckerschule gesprochen. »Wir haben gesehen, wie unterschiedliche Menschen in Esslingen leben«, erinnert sich Schüler Marvin während der Vorstellung des Projekts.
Aber was sind eigentlich Vorurteile und wie entstehen sie? Mit dieser Leitfrage haben sich die 100 Jugendlichen während des vergangenen halben Jahres beschäftigt, Filme gedreht, Fotos geschossen und diskutiert, wie die Altbacher Klassenlehrerin Gudrun Glania und Jugendhausleiterin Rosi Horotan berichten. Das Besondere des Projekts war die enge Verzahnung der Arbeit des Schulamtes Nürtingen und des Kreisjugendrings Esslingen. Denn jede Klasse hatte während des Projekts sowohl den Klassenlehrer als auch einen Mitarbeiter des Kreisjugendrings an ihrer Seite, wie die Koordinatorin des Projekts, Elisabeth Yupanqui, erklärt. Entwickelt und begleitet wurde diese Art der Zusammenarbeit von Christiane Riegel von der Universität Tübingen. »Ich war schwer beeindruckt«, gibt Riegel kurz nach der Präsentation der vielen Arbeiten zu.

Feindbilder, Vorurteile oder Zivilcourage

Den Klassen wurden zehn inhaltliche Module wie »Feindbilder und Vorurteile« oder »Konfliktlösung und Zivilcourage« vorgegeben. Wie das jeweilige Thema behandelt wird, war den einzelnen Gruppen selbst überlassen. Die achte Klasse der Nürtinger Ersbergschule hat das halbjährige Projekt etwa mit einem zweitägigen Aufenthalt im Freizeitheim Erkenbrechtsweiler begonnen. »Das war ein Highlight«, erinnert sich Sabine Derres vom Jugendhaus. Am Ende kamen ein Rap-Song, eine Foto-Story und eine Geschichte heraus, die stolz präsentiert wurden.

Gesellschaftlicher
Frieden

»Projekte, die erfolgreich sind, schreien nach einer Fortsetzung«, sagte Ostfilderns Oberbürgermeister und Gastgeber Christof Bolay. Gerade in Ostfildern, einer Stadt, in der Menschen aus 99 verschiedenen Nationen leben, sei gegenseitiges Verständnis wichtig.
Dass es nach den Sommerferien weitergeht, steht heute bereits fest, bestätigt Koordinatorin Yupanqui. Dabei werden bis Januar jedoch lediglich Lehrer und Sozialpädagogen geschult, bevor es in den einzelnen Schulklassen losgeht. »Nur so schaffen wir es, den gesellschaftlichen Frieden zu erhalten«, ist sich Bolay sicher. »Ich finde, es ist ein klasse Projekt.«
27.07.2010


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